Wenn Sie sich mit Themen wie Anti-Aging, Gelenkgesundheit oder Sporternährung beschäftigen, kommen Sie an einem Begriff nicht vorbei: Kollagen. Dieses Strukturprotein ist nicht nur der häufigste Eiweißbaustein im menschlichen Organismus, sondern auch eines der meistdiskutierten Themen in der modernen Ernährungsmedizin. Doch was genau ist Kollagen eigentlich, welche Funktionen erfüllt es und warum lohnt es sich, näher hinzusehen?

Kollagen — die wichtigste Definition

Kollagen (aus dem Griechischen kólla für „Leim“) ist ein faseriges Protein, das in der extrazellulären Matrix vorkommt und etwa 25 bis 30 Prozent der gesamten Proteinmasse im menschlichen Körper ausmacht. Es wird hauptsächlich von speziellen Bindegewebszellen, den sogenannten Fibroblasten, produziert und zeichnet sich durch seine charakteristische Dreifachhelix-Struktur aus. Diese außergewöhnliche molekulare Architektur verleiht Kollagen seine enorme Zugfestigkeit — vergleichbar mit der von Stahldraht gleichen Durchmessers.

Aufgebaut ist Kollagen aus den Aminosäuren Glycin, Prolin und Hydroxyprolin. Letzteres ist eine modifizierte Aminosäure, deren Synthese Vitamin C zwingend voraussetzt. Ein Vitamin-C-Mangel führt deshalb nicht nur zu Skorbut, sondern auch zu einer Schwächung des gesamten Bindegewebes.

Welche Aufgaben übernimmt Kollagen im Körper?

Die Funktionen von Kollagen sind so vielfältig wie das Bindegewebe selbst. Im Wesentlichen sorgt es dafür, dass unsere Strukturen formstabil, elastisch und gleichzeitig widerstandsfähig bleiben:

  • Haut: Etwa 75 Prozent der Trockenmasse der Lederhaut bestehen aus Kollagen. Es verleiht Festigkeit, Elastizität und Spannkraft.
  • Knochen: Rund 30 Prozent der Knochenmasse sind Kollagenfasern, in die Mineralien wie Calcium und Phosphat eingelagert werden. Ohne Kollagen wäre der Knochen spröde wie Kreide.
  • Knorpel: Kollagen Typ II bildet das Gerüst des Gelenkknorpels und ermöglicht die schmerzfreie Bewegung der Gelenke.
  • Sehnen und Bänder: Hier sorgt Kollagen für die nötige Zugfestigkeit, um Muskeln mit Knochen zu verbinden.
  • Blutgefäße: Auch die elastische Wand von Arterien und Venen enthält große Mengen Kollagen.
  • Zähne und Zahnfleisch: Das Dentin und das Zahnfleisch sind kollagenreich strukturiert.

Wie viele Kollagen-Arten gibt es?

Bisher sind 28 verschiedene Kollagentypen wissenschaftlich beschrieben. Diese unterscheiden sich in ihrer molekularen Zusammensetzung und ihrer Verteilung im Körper. Für die meisten Anwendungsbereiche von Nahrungsergänzungen sind drei Typen besonders relevant:

  • Typ I: macht rund 90 Prozent des gesamten Kollagens im menschlichen Körper aus und findet sich vor allem in Haut, Knochen, Sehnen und Zähnen.
  • Typ II: bildet die Hauptkomponente des hyalinen Knorpels und ist deshalb besonders für die Gelenkgesundheit von Interesse.
  • Typ III: kommt häufig zusammen mit Typ I in der Haut, in inneren Organen und in Blutgefäßen vor.

Ausführlichere Informationen zu den einzelnen Kollagen-Typen und ihrer Anwendung finden Sie in unserem Überblicksartikel zu Kollagen-Arten.

Warum nimmt die Kollagenproduktion mit dem Alter ab?

In jungen Jahren produziert der Körper Kollagen in großen Mengen und in einwandfreier Qualität. Doch bereits ab etwa dem 25. Lebensjahr beginnt die körpereigene Synthese kontinuierlich abzunehmen — Studien gehen von einem jährlichen Rückgang von etwa einem Prozent aus. Bei Frauen verstärkt sich dieser Prozess nach der Menopause noch einmal deutlich, da Östrogene einen direkten Einfluss auf die Aktivität der Fibroblasten haben.

Die sichtbaren Folgen kennen wir alle: Die Haut verliert an Elastizität, es bilden sich Falten, die Gelenke knirschen häufiger, und auch die Wundheilung funktioniert nicht mehr so reibungslos wie früher. Auch innere Strukturen wie Knochen und Bindegewebe verlieren an Stabilität — ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung von Osteoporose und altersbedingten Gelenkproblemen.

Faktoren, die den Kollagenabbau beschleunigen

Neben dem natürlichen Altern wirken sich folgende Faktoren negativ auf den Kollagenhaushalt aus: starke UV-Strahlung (Photoaging), Rauchen, chronischer Stress, hoher Zuckerkonsum (durch Glykation), Schlafmangel sowie Vitamin-C- und Eiweißmangel.

Was bringt zusätzliches Kollagen über die Nahrung?

Kollagen kommt natürlicherweise in tierischen Lebensmitteln vor — vor allem in Brühen aus Knochen, Sehnen und Haut, in Innereien, in der Haut von Fisch sowie in Gelatine. Pflanzliche Quellen für Kollagen selbst gibt es nicht, allerdings liefern bestimmte pflanzliche Lebensmittel Bausteine und Cofaktoren, die der Körper für die Eigensynthese benötigt: Vitamin-C-reiche Früchte und Gemüse, kupferhaltige Nüsse, schwefelhaltige Lebensmittel wie Knoblauch oder Zwiebel.

Da die typisch westliche Ernährung selten kollagenreiche Lebensmittel in nennenswerten Mengen enthält, greifen viele Menschen ergänzend zu Kollagen-Hydrolysat in Form von Pulvern oder Kapseln. Bei der Hydrolyse werden die langen Kollagenketten in kleinere Peptide gespalten, die im Dünndarm wesentlich besser aufgenommen werden können.

Ist Kollagen aus Nahrungsergänzungen wirksam?

Die Frage, ob aufgenommenes Kollagen tatsächlich an den gewünschten Orten im Körper wirkt, war lange umstritten. In den letzten Jahren konnten jedoch mehrere kontrollierte Studien zeigen, dass insbesondere hydrolysiertes Kollagen — also Kollagen-Peptide — messbare positive Effekte auf Hautelastizität, Hautfeuchtigkeit, Faltentiefe und Gelenkbeschwerden haben kann. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023 wertete 26 Studien aus und kam zu einem überwiegend positiven Ergebnis.

Wichtig ist allerdings: Kollagen ist kein Wundermittel. Die Effekte stellen sich in der Regel erst nach 8 bis 12 Wochen kontinuierlicher Einnahme ein und fallen individuell unterschiedlich aus. Mehr zu Wirkmechanismus, Studienlage und Empfehlungen finden Sie in unseren Artikeln zu Kollagen für die Haut und Kollagen für die Gelenke.

Fazit

Kollagen ist ein faszinierendes Strukturprotein, ohne das unser Körper im wahrsten Sinne des Wortes nicht zusammenhalten würde. Es bildet das Gerüst für nahezu alle Bindegewebe, geht aber im Laufe des Lebens unweigerlich zurück. Wer seinen Körper unterstützen möchte, kann dies durch eine eiweiß- und vitamin-C-reiche Ernährung, eine bewusste Lebensweise sowie gegebenenfalls durch hochwertige Kollagen-Präparate tun. In unseren weiteren Ratgeber-Artikeln zeigen wir Ihnen, worauf es bei Auswahl, Dosierung und Einnahme ankommt.

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultieren Sie bitte einen Arzt oder Apotheker.